



Tee???...Schmecktdochnich! Tee???...Tee isdochnix für Männer! Isser doch! Zugegeben, die meisten Tees schmecken, besonders für Raucher und etablierte Kaffeetrinker, nur nach Luft, aber Koffein braucht ja bekanntlich auch keinen Geschmack. Oder doch? 
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Bei den Schwarztees, die übrigens nicht ganz so penetrant wie grüne reinknallen, aber dafür viel länger wirken als Kaffee, gibt es die Unsitte, schlechte Qualität mit billigen Tricks und widerlichen Aromen aufzupeppen: Pfirsich-Maracuja, Zuckerrübensirup-Melone, Banane-Schoko, Erdbeer-Stachelbeer und andere grauenhafte Kreationen, die hinzuschreiben ich nicht wagen würde. Es gibt aber auch seit Jahrhunderten einen wunderbaren aromatisierten Tee edelster Herkunft, dessen erster Genuß bei einem Probanden das Schlagwort vom Cowboy-Tee hervorrief: »Karawanen-Tee« bzw. »Russische Mischung Caravan« evtl. auch »Russischer Rauchtee« oder ähnliche Namen bezeichnen einen extra kräftigen Schwarztee, der einen ganzen Tag lang mit bestem Kameldung geräuchert wurde. Das ist ein Aroma! KNÜP-PEL-HART! Die Gitanes Maïs unter den koffeinhaltigen Getränken! Absolut optimopti! | Dieses wunderschöne
Tier ist für das herausragende Aroma des »Cowboy-Tee«
maßgeblich mitverantwortlich |
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Was
dies im Vergleich zu
einem Crêpe, ist Pu-Erh im
Vergleich zu Teebeuteltee
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Eine weitere
brettharte Köstlichkeit ist der Pu-Erh-Tee,
der zwar den zweifelhaften Ruf genießt, gesund zu sein, aber der
geschmacklich den geräucherten Teesorten in nichts nachsteht. Pu-Erh-Tee
wird nach dem Trocknen jahrelang (teilweise sogar einige Jahrzehnte
lang) auf schimmligem, moderigem Boden in irgendwelchen Absteigen,
Unterführungen usw. liegengelassen, bis er stinkt wie nasse Katze. Und
auch so schmeckt: ein überwältigendes Konglomerat aus Moder, Schimmel,
Erde und dem Schwarzen unter den Fingernägeln. Und richtig teuer ist er
außerdem. Echt gigageilomat!
Mittlerweile ist der »Cowboy-Tee« und auch Pu-Erh
so beliebt geworden, daß sich einige findige hanseatische
Teeimporteure dazu entschlossen haben, unter dem Label »Hartmanns
Teekontor« diesen Wachstumsmarkt mit weiteren
»männlich-markanten« Sorten zu bedienen. Die ersten Kreationen
lassen aufhorchen:
|  | | Südtiroler Specktee Eine stark fermentierter Mischung Second Flush wird mit rohen, gewürzten Speckstreifen in einem Netz zusammen mit Original Südtiroler Speck in der Räucherkammer geräuchert, bis der Speck seine übliche Reife hat. Die genaue Räucherdauer ist ebenso wie die Würzmischung ein Geheimnis der Südtiroler, aber man hat uns mit einem Augenzwinkern versichert, daß der Reifeprozeß »sehr lang« dauere. Nähere Infos unter gibt es auf der
offiziellen Südtiroler Speckseite. Der Tee schmeckt intensiv nach Speck und Rauch, ohne dabei salzig zu sein. Extrem kräftig, sehr würzig. Die gute Qualität (immerhin 2nd Flush) ist bekömmlich. Ein ausgesprochen leckerer Tee für den Berggipfel, für lange Winterabende und wenn man Teekenner niemals wiedersehen möchte. Wirklich genial. Etwas gewöhnungsbedürftig sind jedoch die Fettaugen in der Tasse. Dennoch ein Meisterwerk! | 
Megabrutale Teeernte: Lustig behelmte Leute rupfen gnadenlos die jungen Blätter von den vor Schmerz sich windenden Teesträuchern |

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hat man in Europa durch originelle Teedosen den pro-Kopf-Verbrauch erheblich steigern können. | Elsässer Sauerkrauttee Klingt famos, schmeckt famos! Ein sehr milder Darjeeling bester Qualität wird mit getrockneten Sauerkrautfäden, etwas Kümmel, Lorbeer und Wacholder zu einer edlen, feinwürzigen Komposition vermischt, die ihresgleichen sucht. Der Elsässer bombt längst nicht so rein wie z.B. der Schotte (s.u.), sondern entfaltet ein wundervolles Aroma, das man langsam und intensiv genießen kann. Ein vollendeter Genuß für einen gemütlichen Abend mit einem dicken
Buch oder bei anspruchsvoller
Musik und knackender, knisternder Zentralheizungswärme oder einfach nur zum romantischen elektrischen Licht. Ein feinsinniges, tiefgründiges und nachhaltiges Erlebnis für die Geschmacksnerven. Unbedingt probieren! |
Ungarischer Paprikatee Das Rezept ist wahrlich simpel und kann natürlich prinzipiell auch selbst gemischt werden. Einem recht kräftigen Tee, der in Richtung Ostfriesenmischung geht, ist etwas Paprikapulver beigemengt worden. Da Paprika sein Aroma nur an Fett abgibt, dient er hier dazu, den Tee scharf zu machen. Der Geschmack ist so, na ja, äh, hmmm,
teemäßig mit einer penetranten, deplaziert wirkenden Schärfe. Also mit anderen Worten: total langweilig. Vor allem tut man mit dem Prädikat »Ungarisch« den Magyaren schweres Unrecht an, denn gerade dieses Küche hat so viel zu bieten, daß es als schwere Beleidigung aufgefaßt werden muß, die ungarische Küche auf scharfes Paprikapulver an falscher Stelle zu reduzieren. Wer's dennoch gern scharf mag (und unter Jugendlichen und Cabriofahrern gehört es ja beispielshalben zum Pflichtprogramm, daß man zwischen Essen, Schwitzen und Rotz hochziehen bei der Pizza Arrabiata sagt: »Ich eß' gern scharf, öche, öche!«), der kann es ja probieren, aber für Männer ist das eher nix. Total albern! | 
Manche Teekannen bieten schon rein optisch jede Menge Spielraum für weitreichende Verbesserungsvorschläge. |

Gehört zwar nicht hierher, sieht aber trotzdem gut aus: Der Rotgesichtmakak | Hochland-Haggistee (»Schottische Mischung«) Eine gewagte Komposition! Die Schotten sind ja nicht nur für ihre Großzügigkeit berühmt, sondern auch dafür, bei jedem Wind und Wetter draußen im Kilt Haggis (Superleckere Schafskaldaunen im Ochsenblinddarm) zu verspeisen. Bei einem Tee mit dem Aroma des schottischen Nationalgerichts, darf man sich wohl auf einiges gefaßt machen. Und der erste Eindruck haut einen fast um: Nicht nur, daß der Tee im wahrsten Sinne des Wortes bockstark ist, nein, der Kenner schmeckt sofort die feinsten, herzhaftesten Schafskutteln in einer Intensität, die ernsthaft daran zweifeln läßt, ob man nun eine dunkelbraune Flüssigkeit oder heiße, feste Nahrung zu sich nimmt. Wer schon mal eine kalte Hammelhaxe gegessen hat, kann sich in etwa diese Explosion auf den Geschmacksknospen vorstellen. Kurz gesagt, der Haggistee ist grundsolide Herzhaftigkeit gepaart mit einer vollen Breitseite Koffein. Schmeckt super und wirkt ultrabrutal. Sofort kaufen! |
Spanischer Tapastee Der Name hält was er verspricht: ein guter, nicht zu kräftiger Tee wurde –natürlich- mit jeder Menge Knoblauch aromatisiert, aber man schmeckt deutlich noch einen Hauch der leckeren spanischen Chorizo-Salami, vielleicht auch Jambón, sicher aber Manchego und, hm, sind das Oliven (?). Ein wirklich herausragender, vielfältiger Geschmack, der an einen langen Kneipenabend in der Bodega erinnert. Allerdings: man muß diese herzhaften Kleinigkeiten, die es zum Glück mittlerweile nicht nur in dem widerlich heißen Spanien, sondern auch in den spärlich gesäten spanischen Restaurants gibt, kennen, um den Genuß, den dieser Tee bietet, wirklich schätzen zu lernen. Ein sehr rundes, volles Aroma mit Ecken und Kanten an den Stellen, an denen Mann sie liebt. Besonders empfehlenswert! Für Schwachsinnige sei vorsichtshalber erwähnt, daß »Chili« und »Tortillachips mit Würzketchup« überhaupt nichts mit Spanien zu tun hat. | 
Teemachen ist voll der Streß: Das lebend gepflückte Mistzeugs will einfach ums Verrecken nicht von alleine trocknen. Ständig muß man es umdrehen, in die Luft werfen, schütteln, anhauchen,
mit einem Stück Löschpapier abtupfen... |

Aus solchen Gefäßen kann man Tee gießen. Muß man aber
glücklicherweise nicht. | Altbairischer Meerrettichtee Bayern ist ja nicht gerade dafür berühmt, ein Volk von Teetrinkern zu beherbergen, aber auch aus dieser Ecke kommt nicht nur Bier, sondern neuerdings auch ein hochbrisantes Aroma, das in dieser Übersicht nicht fehlen darf. Zu einer ohnehin schon würzigen, stark fermentierten »russischen« Mischung, gab man einfach etwas geriebenen und getrockneten Meerrettich, fertig ist ein simples, aber nichtsdestotrotz sehr herzhaftes Getränk, das die Aromen eines äußerst gehaltvollen Tees mit der Frische und Schärfe von Meerrettich kombiniert, ohne an irgendeiner Stelle des Guten zuviel zu tun. Hartmanns Teekontor hat bereits angekündigt, daß der Hersteller momentan mit »Schweinshaxentee« experimentiert, man darf also gespannt sein. Bis es dann soweit ist, kann man zumindest über den Meerrettichtee schon mal sagen: Eine wahrhaft hervorragend auskomponierte Mischung. Unbedingt kaufenswert! Und zwar ohne wenn und aber! |




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