
- Ein Urlaubstestbericht - | |


Unentdeckte Perle des Südens

| Tief versteckt im Süden unseres Landes liegt die bisher kaum entdeckte Stadt München, die man höchstens noch als Sitz des Geldscheindruckers Giesecke & Devrient, als BMW-Zentrale oder als Bolzplatz
zweier unbedeutender Fußballvereine kennt. Doch München ist natürlich viel, viel mehr als das, wie allein schon die bewegte Geschichte der Stadt verdeutlicht: | München besteht aus einer ganzen Reihe kleiner Kuhdörfer, die nach und nach zusammengewachsen sind und deren Namen häufig auf »ing« enden, was darauf schließen läßt, daß die Bajuwaren möglicherweise ursprünglich aus Ostasien stammen (Send-Ling, Schwa-Bing, Au-Bing, Neu-Au-Bing, Feld-Moch-Ing, Gies-Ing, Pas-Ing...). Glücklicherweise wurden diese verwinkelten, heruntergekommenen Gassenlabyrinthe im zweiten Weltkrieg fast vollständig weggebombt, so daß eine vernünftige Verkehrsplanung mit dem Wiederaufbau Hand in Hand gehen konnte. Der sogenannte Mittlere Ring, der vom damaligen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel mitinitiiert wurde, ist in Deutschland beispielsweise eine verkehrstechnische Sensation. Doch dazu später. |  Der größte Maibaum der Welt, mit Drehrestaurant
| Rein politisch war und ist München nicht mehr als eine bloße Randerscheinung, denn außer der Landesregierung und dem Königssitz ab dem 19. Jh. gibt es nichts weltbewegendes zu vermelden. Man hat dort mangels Vorhandenseins z.B. weder einen Reichstag angezündet noch verpackt. Allerdings gab es kurz nach dem ersten Weltkrieg in München einmal eine kleine, echte Revolution und danach eine mehrstündige Räterepublik. Auslöser der damaligen Unruhen war die geplante Anhebung der Biersteuer auf 8,50 RM pro Hektoliter.
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 Der Chinesische Turm im sogenannten Englischen Garten
| Vor etwas mehr als 150 Jahren erfand irgendein zeitgenössischer Prinzregent das Oktoberfest, das seither traditionsgemäß im September stattfindet und als älteste regelmäßige Veranstaltung gilt, welche die Menschheit auf diesem Planeten heute noch abhält.
Ungefähr zur gleichen Zeit wurde mitten in der Stadt,
nahe der Isar, auf einem einige Quadratkilometer großem Areal alle Häuser niedergebrannt, Gras, Büsche und Bäume in der noch warmen Asche angepflanzt, die Mauerreste zu Kieswegen zusammengeharkt und ein knietiefer See ausgebuddelt. Dieses Areal heißt heute Englischer Garten und wird im Sommer fast ausschließlich von Nackerten und japanischen Hobbyfotografen bevölkert. Genau in der Mitte des Gartens wurde vor einigen Jahrzehnten eine Bierausschankstätte hingestellt, die Chinesischer Turm heißt und ein weiteres Indiz für die asiatische Abstammung der Bajuwaren darstellt. | 1871 wurde in der Gaststätte Peterskeller (Marienplatz) die Münchener Weißwurst erfunden. Die rein weiße Farbe entstand damals aus einer ernsten Notlage heraus, als man nämlich alles Blut, das man aus Schweinen extrahieren konnte, an die Front (gegen die Froschfresser; wir haben übrigens gewonnen) geschickt hat, um die verletzten bayerischen Soldaten mit Blutkonserven versorgen zu können.
1972 hat man in einem bislang völlig unerforschtem Gebiet innerhalb der Nordwestkurve des Mittleren Rings einige Quadratkilometer für die Olympischen Spiele urbar gemacht und ein bombastisches Plastikzelt neben dem größten Maibaum der Welt (mit Drehrestaurant) aufgeschlagen.

Soviel zur Historie. Na, ist das Interesse schon geweckt? Falls nicht, hat München natürlich noch viel mehr zu bieten. Zum Beispiel eine für Deutschland beispiellose Verkehrspraxis: |
Seit München von einer Rot-Grünen Regierung regiert wird, wurde die grüne Welle auf fast allen Straßen der Stadt abgeschafft. Dies führte dazu, daß die Ampeln unabhängig vom Tempo immer mal Grün und mal Rot sind, so daß man auf diese Weise an die umweltfreundliche Politik der Stadt erinnert werden soll. Dies bewirkte aber auch, daß die einzig vernünftige und konsequente Fortbewegungsart nicht etwa das Umsteigen auf den ÖPNV, sondern folgende Fahrweise ist: Wenn die Ampel von Rot auf Gelb schaltet, auf 80 beschleunigen und hoffen, daß die nächste Ampel Grün zeigt. Wer sich bei Gelb nicht bewegt, wird sofort niedergehupt.
|  Die neue Pinakothek im Herzen Münchens... Eine der angesagtesten Locations der Welt
| Erstaunlicherweise funktioniert das ganz gut. Darüber hinaus wurde in München der freiwillige Vorfahrtverzicht beim Spurwechsel abgeschafft. Wer die Spur wechseln will, blinkt und fährt einfach rüber. Reinwinken, Bedanken und anderer Pillepalle entfallen hier völlig. Wer also richtig echtes neapolitanische Fahrfeeling erleben will, braucht nur Werktags zwischen 17.00 und 19.00 Uhr eine Runde auf dem Ring drehen.

| Aber München bietet auch ohne Auto ein reichhaltiges Freizeitangebot:
Sehenswert ist das Valentin-Musäum im Isartor am Isartorplatz (S-Bahn Isartor), das (im Jahre 2001) DM 2,99 Eintritt kostet, die man abgezählt bereitzuhalten hat, weil man sonst nach altbairischer Tradition einen Maßkrug über den Schädel gezogen bekommt. Also Vorsicht! Genug Kleingeld bereithalten! Die angesagteste Szene-Kneipe der Stadt ist der English Pub in der Maistraße (U1/2/3/6 Sendlinger Tor). Hier gibt es echt coole Dartgames, rote Plüschpolster, satten Heavy-, Trash-, Death-, Speed- & Gothic-Metal Sound und echt lockeres Publikum. |
 Das Orientteppich-Fachgeschäft des Family-Centers an der Ecke Westendstraße/Hansastraße
| Die fettigsten und dicksten Pommes Frites kriegt man im Molly Malone’s (Kellerstraße, hinterm Gasteig; S-Bahn Rosenheimer Platz). Dort kocht die irische Molly Family eine halbe Stunde lang Kartoffelviertel in 100° warmen Öl weich. Mit Malzessig mit Mayo bis zum Abwinken...Dös ziagt nei, wie der Bayer sagt!
Wer so richtig satt Geld ausgeben will, kann eine Runde mit dem Drehrestaurant im größtem Maibaum der Welt drehen (U3 Olympiazentrum). |
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Wer gerne Brieftaschen klaut, kann das unbemerkt jeden Tag um 11.00 Uhr vormittags auf dem Marienplatz (S-Bahn + U3/6) tun, weil dann nämlich alle Touristen mit Ferngläsern und Zoom-Objektiven zu irgend so einem brunzdämlichen Glockenspiel am Münchener Rathaus hinaufstarren.
Das Oktoberfest findet, wie der Name schon sagt, Mitte September statt und bietet Gelegenheit, Personen nahezu jeder Nationalität in ihrer eigenen Kotze liegend zu fotografieren und auszurauben. Ebenso kann man die erstaunlichsten Schnitt- und Schlagverletzungen durch Maßkrüge bewundern (ÖPNV: vom Hauptbahnhof aus der Schlange folgen und über die lustigen Witze des U-Bahn-Stationssprechers lachen). Die originellsten Kontakt-Graffitos findet man auf der öffentlichen Herrentoilette am Sendlinger Tor (U1/2/3/6). |
Die beiden angesagtesten Gegenden Münchens, wo die Szene kocht, wo ein shmoover Club neben dem anderen steht, wo pickelige Jüngelchen in Muttis Z3 vorfahren und wo die Nacht am frühen Nachmittag endet, heißen Hasenbergl und Neuperlach (beide U2). Im Hasenbergl gibt es überwiegend Locations mit US-Black Music, wohingegen in den Neuperlacher Clubs vor allem European Dancefloor aufgelegt wird. Ein absolutes Muß für alle Nachtschwärmer.
|  Gigacoole Locations gibts am Hasenbergl...
| Mitten in der Stadt (Nähe HBF) gibt es allerdings noch zwei andere Locations, an denen man als Münchenbesucher einfach nicht vorbeigehen sollte: die Alte und die Neue Pinakothek (Pinaker = altbairisch für »Hallodri, Stenz, Draufgänger...«). Diese beiden ältesten Clubs Münchens (seit 1904) sind immer noch voll superangesagt und total heavy on wire. In der Neuen Pinakothek ist die Community unter 21, in der Alten bis knappe 27 Jahre alt. Daher auch die Namen. Vormittags ist immer Happy Hour, es lohnt sich!
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 ...oft auch mit Livemusik... | Eine tolle Münchener Idee fürs Shopping ist das Family-Center Hansastraße / Ecke Westendstraße. Das Konzept ist simpel, aber effektiv: Ein großer Parkplatz, an dem drei tolle Geschäfte angrenzen. Links eine Indoor-Kartbahn für den Sohnemann, hinten ein Orient-Teppichgeschäft für die Mutter und rechts ein Bordell für Papi. Das ist Einkaufspaß für die ganze Familie!
| Das Dallmayr-Haus
aus der Fernsehwerbung gibt es tatsächlich.
Die obergeilsten Klamotten, wie z.B. Eighties-Sakko-Replikas, echte Taxi-Driver-Caps aus Leder, die abgedrehtesten Straw-Hats, Original Blueman-Trousers and –Jacketts gibt es bei Wal-Mart (ehemals Wertkauf; U6 Kieferngarten und mit dem Wal-Mart Shuttlebus kostenlos zum Shop). Weltweit einmalig ist der Original Münchener Föhn. Es handelt sich dabei um einen pißwarmen Wind, der von den Alpen herabfällt, nachdem er sich vorher in Südtirol total abgeregnet hat. Das bedeutet, er ist heiß und hat eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit bei extrem niedrigem Luftdruck. Das gibt es zwar an jedem Gebirge, aber die Münchener können darüber jammern, zetern, greinen, fluchen und stöhnen und den Föhn für ihre permanent schlechte Laune verantwortlich machen, wie es sonst kein Volk der Welt fertig bringt. |
Bei Föhn heißt daher der ultimative Spaß für den Touristen: Ab in einen Biergarten und auf berlinerisch ein kleines Bier bestellen (»Hörnsema, juter Mann, hamse ma 'n kleenet Bia und een'n Brez'n für mich?«). Das gibt echte bayerische Lebensart zu hören (»Wennst a kloans Bia wuist, na gehst in
Kindagoatn, ned in Biagoaten!«) und oft genug auch zu spüren (»Du kriagst glei a Schöin, Saupreiß, damischer!«).
|  ...und Club an Club an Club in Neuperlach
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Alles in allem: die vielen tollen Freizeitangebote, die Sehenswürdigkeiten, das Essen, die bayerisch-freundliche Lebensart, wo hingelangt (Streibl) wird, machen München zu einem attraktiven und außergewöhnlichen Urlaubsort, den man erlebt haben muß. |
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