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Den Mount Everest als »Dach der Welt« zu bezeichnen ist purer Größenwahn und zeugt von einer schwer gestörten Wahrnehmung, denn z.B. auf dem Planeten Herrmann gibt es allein nur im Bundesstaat »Hans-Dieter« fast 500 Hügel, die über 10.000 m hoch sind. 

Der Mount Everest ist lediglich die höchste Erhebung eines kleinen, langweiligen, blau-weißen Planeten am Rande einer der unwichtigsten Galaxien des Universums und sollte auch so heißen. 

8848 m sind zwar trotzdem beileibe kein Pappenstiel, aber dafür liegt der alpine Besteigungs-Schwierigkeitsgrad nur zwischen ca. 1,5 und 2. Das bedeutet, der Gipfel ist für jedermann mit festem Schuhwerk und warmen Klamotten zugänglich. Im Vergleich zum geringfügig niedrigeren K2 oder Nanga Parbat ist der Everest anspruchsmäßig total für'n Arsch, ein echtes Halbschuhtouristenhügelchen. 

Die aufwendige und vor allem langwierige Anreise, die schlechte Unterkunft mit miesem Essen und die allgegenwärtigen Seppelhut-Touristenhorden 6-8 Wochen lang auszuhalten, ist die weitaus größere Herausforderung, als das eigentliche Besteigen des Mount Everest.

Wer sich einen flauschigen Anorak mit Kapuze, Sonnencreme mit LSF 30, ein Sauerstoffgerät und ein paar Sherpas leisten kann, (von denen jeder schon ein paar hundert mal oben war) braucht zum Gipfelsturm weder sonderlich Kondition noch bergsteigerische Erfahrung.

Das (Pfeil) ist er, der berühmt-berüchtigte Mount Everest.
So hoch, wie man denkt, ist er
übrigens gar nicht. 

Nicht mal halb.

Immer voll die lustigen Folklore-Klamotten an: Nepalesen bei einem ihrer zahllosen Traditionsevents in Katmandu.

Das sieht man schon daran, daß der Mount E in den letzten 50 Jahren von so ziemlich jeder Randgruppe einmal erstbestiegen wurde (der erste nichteuropäische Blinde, der erste südfranzösische Weingroßhändler, die erste schwangere Frau, der erste bärtige Peruaner unter 1,40 m Größe usw.), wobei seit Messner der Verzicht auf Sauerstoff zwar kein Muß ist, aber bei den Frauen einfach viel besser ankommt.

Problematisch ist beim Mount E ausschließlich das Wetter: es kommt nur ein paar mal im Jahr vor, daß 4-5 Tage hintereinander schönes Wetter ist, was aber dann zur Folge hat, daß es am Everest abgeht wie beim Kölner Karneval.

Auf der gesamten Strecke liegen überall Schnapsflaschen, Bierdosen, Zigarettenkippen, Leichen, Steigeisen, Alpenstöcke, Seppelhüte und Cornymüsliriegelverpackungen herum und keine Sau nimmt das wieder mit ins Tal. Die Sherpas haben den Dreck zwar eine Zeit lang mal aufgesammelt, aber bezahlen wollte natürlich wieder niemand dafür. Geld bekommen die Einheimischen heutzutage nur, um faule, verweichlichte Milchbrötchen europäischer Abstammung die letzten paar hundert Meter hochzutragen, weil denen mal wieder »die Schuhe drücken« oder »die Luft ausgeht« oder »zu kalt« ist. Dabei liegen ab 8.000 m Höhe die Temperaturen gerade mal bei -20° C, also nichts, was man nicht von einem normalen Winterspaziergang im Park kennen würde. 

...und so sieht der Berg (Pfeil) aus einer
anderen Perspektive aus.

Auch nicht viel spektakulärer!

Bloß die Luft schmeckt da oben etwas schal und die Gipfelzigarre will nicht so richtig brennen. Auf dem Gipfel stehen übrigens bei schönem Wetter täglich 20-50 Leute rum, saufen Prosecco, pissen ihre Initialen in den Schnee und grölen versaute Lieder ihrer Heimat. An eine ruhige, ungestörte Brotzeit mit Landjäger, Leberwurstbrot, Maß Bier und Breze ist da einfach nicht zu denken. 

Alles in allem ein eher zwiespältiges Urlaubsvergnügen. 

Everest-Pauschalbuchungen ab Frankfurt zum »alles-drin-Preis« gibt's bei Özer Touristik schon ab EUR 4.999,--, allerdings ohne Ausrüstung. Komplette Mietausrüstungen gibt's ab ca. 800,-- Euro im Akklimatisierungsdorf in rund 5.200 m Höhe. Wer ab London Last Minute nach Katmandu fliegt und sich erst dort um eine Everest-Tour kümmert, kann glatt noch ein bis zwei Tausender sparen.


 

Und wenn man schließlich oben ist, dann kann man wieder runtergucken. Alles andere als berauschend.

Fazit: 

Der Everest ist zwar kaum eine Reise wert, aber immer noch deutlich billiger als der K2, oder der Nanga Parbat (nicht unter EUR 15.000,--).

Wer's also partout nicht lassen kann, der sollte sich sputen, bevor man mit dem Lifta rauffahren kann. Es würde ja auch endlich Zeit, daß Nepal den UNO-Auflagen Folge leistet und den Everest als öffentliches Weltkulturerbe behindertengerecht umgestaltet.

Bis dahin ist für Pseudo-Erstbesteiger momentan noch folgender Ginnessbucheintrag möglich:
Erstbefahrung mit dem Hollandrad, erster Inline-Skater und erste Rollstuhlfahrerin...

 


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